Donnerstag, 27. August 2026

Von Sancoins nach Bouzais

Tag 13
Donnerstag, 27.08.2016
Sancoins - Bouzais 
🚴 47 km
⬆️ 350 Hm
⬇️ 380 Hm

Madame Raunad hat ein typisches französisches petit-dejeunee vorbereitet. Auf die Marmeladen verzichte ich und essen vom leckeren Brot mit Butter.

Die erste heutige Station ist das Bürgermeisteramt, das aber erst um 8.30 Uhr öffnet. Daher überbrücke ich die Wartezeit mit einem café au lait in der Bar nebenan.
Nachdem ich einen Stempel im Pilgerausweis erhalten habe, kann die heutige Fahrt los gehen. 

Am frühen Morgen, noch vor der Dämmerung, ist ein Gewitter durchgezogen, und die Natur hat etwas dringend benötigten Regen bekommen. Zum Glück habe ich gestern Abend noch die Wäsche von der Leine genommen.
Die Straßen sind noch Nass und die Luft ist angenehm klar und schon bald machen die Wolken für die Sonne Platz.

Die Gegend um mich herum ist von Weidewirtschaft geprägt, es gibt kaum Ackerbau.
Sonnenblumen gibt's trotzdem hier und da.
Irgendwann wandelt sich die Landschaft, weite Felder sind zu sehen und immer wieder einzelne Gehöfte, die oft nicht gepflegt aussehen. 
Unter dieser mächtigen Linde finde ich Unterschlupf, als eine kurze Schauer vorbeizieht.
Nach einem kräftigen Anstieg bietet sich diese Fernsicht an.
Gegen 15 Uhr erreiche ich die Pilgerherberge in Bouzais, bei der ich mich gestern Abend angemeldet hatte, das ist in Frankreich im Gegensatz zu Spanien erforderlich. 
Die Wartezeit bis zur Öffnung um 16 Uhr verbringe ich mit diesen Zeilen. Eigentlich wäre ich schon vor 1 Stunde hier gewesen. Aber der Fahrradständer hatte genug von dem schwer beladen Drahtesel und hat die Grätsche gemacht. So habe ich in dem Städtchen Saint-Amand-Montrond bis 14 Uhr auf das Ende der Mittagspause des Fahrradladens gewartet und dem Monsieur mein Problem geschildert.
Er war erst etwas skeptisch, ob er mir helfen kann, da sie keine Kalkhoff Räder führen und man prüfen muss, ob einer der vorrätigen Standardständer passt.
Nach etwas Ausprobieren fand er einen, dessen Montageplatte mit der Verschraubung überein stimmte. Aber die dazugehörigen Schrauben waren zu klein für die Öffnung im Rahmen. Da er aufgeben wollte, habe ich ihm vorgeschlagen, mit  Unterlegscheiben die Lücke auszufüllen, welche er dann auch auftreiben konnte. Problem war, dass sie konkav sein mussten, die hatte er aber auch im Magazin. Damit war ich gerettet, denn ohne Fahrradständer, das habe ich in den letzten 3 Stunden erfahren, kommt man nur schlecht zurecht.
Isabelle, die Betreuerin der Herberge, kommt gegen 16 Uhr an. Sie begrüßt mich freundlich und bietet ein kaltes Getränk an. Sodann zeigt die mir die drei Räume und erklärt, wie das hier abläuft und das ich heute der einzige Pilger bin.
Diese Herberge wird übrigens von der fränkischen St. Jakobus Gesellschaft aus Würzburg unterstützt.
Nach Dusche und Wäschewaschen mit der hiesigen Waschmaschine unterhalten wir uns und sie erzählt, dass sie den Camino del Norte vor Jahren mit ihrer Tochter gegangen ist.

Für 19 Uhr bereitet Isabelle das Abendessen vor.
Nach Gemüsesticks mit Dip als Appetizer und einem frischen Salat als Vorspeise serviert sie gebratenes Gemüse mit einem Hähnchencurry, richtig lecker!
Zum Nachtisch gibt es einen sehr leckeren selbstgebackenen Apfelkuchen mit der Besonderheit, dass die Apfelstücke vorher ein paar Minuten in karamelisiertem Zucker, Butter und Zimt gekocht und anschließend mit dem Teig 25 Minuten gebacken gewerden. Beim Servieren gießt man etwas ungeschlagene Sahne über die Kuchenstücke - Nachkochen lohnt sich!