Samstag, 22. August 2026

Von Essoyes nach Tonnerre

Tag 8
Samstag, 22.08.2016
Essoyes - Tonnerre 
🚴 60 km
⬆️ 640 Hm
⬇️ 670 Hm

Nach einigen Kilometern Fahrt begrüßen mich strahlende Sonnenblumen.
Die Sonne scheint zwar, dennoch ist es frisch.

Die lange Fahrradhose habe ich heute angezogen, es sind nur 10 Grad, da ist mir die kurze Hose zu wenig. Das meinte auch Madame Annie, bei der ich übernachtet habe. Die freundliche ältere Dame hat ein leckeres Frühstück vorbereitet, nicht nur für mich, auch für das Biker - Paar, das gestern Abend noch eintraf und nicht so früh aus den Federn springt wie ich. Hier in der Champagne sind wohl einige Touristen unterwegs, auch etliche mit  dem Wohnmobil, aber auch immer wieder Biker mit schweren Motorrädern.
An und in den Weinorten stehen oft kleine Wohnwagensiedlungen, in denen die osteuropäischen Erntehelfer untergebracht sind. In den Weinbergen wird noch emsig gelesen, obwohl die meisten Rebstöcke inzwischen abgeerntet sind.
Ich passiere viele Kellereien und rundherum ist viel Betrieb, Traktoren mit voll beladenen Anhängern, hohe, wie auf Stelzen gebaute Maschinen, die vor der Lese die Blätter von den Rebstöcken fegen.
In Gyé-sur-Seine überquere ich ein kleinen Fluss und staune nicht schlecht, als ich auf dem Schild an der Brücke "la Seine" lese. Ja, es ist die Seine, die auch durch Paris fließt, meint Google, und weiter südlich von hier entspringt.
In Les Ricey wollte ich mir die große Kirche ansehen, aber leider war die Tür verschlossen. Ich erfuhr, dass in dieser Jahreszeit zu viele fremde Menschen in der Gegend seien, und man deshalb die Kirche verschließe.

Irgendwann sind die Weinberge 

nicht mehr zu sehen und die großen Getreidefelder dominieren wieder die weite Landschaft. Ich kann mich nicht satt daran sehen. Manchmal schiebe ich mein Fahrrad ein Stück, um die Umgebung in der Entschleunigung intensiver aufnehmen zu können. 

Wenn die vorbeifahrenden Autos mich nicht dauernd anhupen würden, wäre ich noch länger am Straßenrand stehen geblieben. Wie schön muss das erst ausehen, wenn sich die goldenen Ähren im Wind wiegen.

Nachdem ich das Örtchen Villon hinter mir gelassen habe, geht's bergab. Unten im Tal liegt das Dorf Tanlay. Dort fließt der Canal de Bourgogne, der wie in Frankreich nicht anders zu erwarten, mit einem Fahrradweg ausgestattet ist, auf dem es sich leicht bis Tonnerre radelt.
Hier werde ich zwei Nächte verbringen, morgen ist Ruhetag, wahrscheinlich auch für diesen Blog.




Freitag, 21. August 2026

Von Ambonville nach Essoyes

Tag 7
Freitag, 21.08.2016
Ambonville - Essoyes
🚴 60 km
⬆️ 660 Hm
⬇️ 760 Hm

Am liebsten würde ich hier im Koch- Wohn- und Schlafraum einfach noch sitzen bleiben und die angenehme Atmosphäre der Accueil de Pelerin, der Pilgerherberge, genießen.
Ich habe gemütlich gefrühstückt und lese im Pilgergführer nochmal nach, was mich unterwegs erwartet.
Hinter den bäuerlich geprägten traditionellen Dörfchen erstreckt sich im Hinterland eine industriell geprägte Landwirtschaft mit riesigen Maschinen und Geräten, genau so wie bei uns.

Dieser Waldabschnitt (und viele weitere) sieht zwar satt grün aus, bei genauerem Betrachten erkennt man aber die Trockenheit, gegen die sich die Bäume mit sehr frühem Laubabwurf zu wehren scheinen.

Im schönsten Wiesengrunde - leider alles vertrocknet.
Den Ort Colombey-les-Deux-Églises erreiche ich nach etwa 21 Km. Bekannt wurde der Ort durch Charles de Gaulle, der dort auf seinem Landwohnsitz 1970 verstarb. Das schlichte Familiengrab von Charles de Gaulle befindet sich auf dem örtlichen Friedhof.
An einer Mauer stehen eine Vielzahl von Gedenktafeln.
Auf den Feldern ist das Getreide abgeerntet, der Mais gehäckselt und die Flächen sind gegrubbert. Nur die großen Sonnenblumenfelder warten noch auf die Ernte. Zu gerne würde ich sehen, wie, bzw. mit welcher Maschine die Ernte eingebracht wird. Macht man das mit einem gewöhnlichen Mähdrescher?
Der kleine Fluss L'Aube in Clairvaux, wo ich eine Pause einlege, könnte auch Regen gebrauchen.
Den bekommt er!

Als ich nach meiner Cola aufbreche, beginnt es leicht zu tröpfeln, daraus wird nach 200m Fahrt Regen und ich ziehe eilig die Regenklamotten aus dem Gepäck, die ich noch knapp überziehen kann. Jetzt bin ich komplett in neongelb gekleidet und aus der Schauer wird ein fetter Starkregen. Kurzentschlossen drehe ich um und rase die kurze Strecke zurück, um unter dem Sonnenschirmen der Bar Unterschlupf zu finden. Das war die richtige Entscheidung, es prasselt ordentlich.

Als ich meine Fahrt fortsetze dampft die warme Asphaltdecke.
Einige km weiter verändert sich das Landschaftsbild etwas - ich bin inzwischen in der Champagne angekommen. In der Ferne sehe ich die ersten Weinberge.

Heute endet meine Tour in Essoyes.
Hier hat der französische Maler Renoir zeitweise gelebt und gearbeitet.