Donnerstag, 20. August 2026

Von Chalaines nach Ambonville

Tag 6
Donnerstag, 20.08.2016
Chalaines - Ambonville 
🚴 73 km
⬆️ 860 Hm
⬇️ 849 Hm

In der Nacht hat es wieder geregnet und es ist recht kühl, so dass ich mit Jacke und gelber Weste darübergezogen fahre. Nach einigen Kilometern überlege ich, die Handschuhe heraus zu kramen, was mir dann doch zu lästig ist.

Die Bäuerin, bei der ich übernachtet habe,
konnte erst ab 8 Uhr Frühstück zubereiten, da sie vorher melken und das Vieh versorgen musste. Das war mir dann doch zu spät und wir hatten gestern vereinbart, dass ich mir im Zimmer einen löslichen Kaffee zubereite und mich in der nächsten Bäckerei mit belegten Brötchen versorge.

Der heutige Weg führt über Landstraßen, die in dieser hügeligen Gegend bergauf und bergab verlaufen und sich sehr angenehm fahren lassen. Der Verkehr ist nur sehr gering, was ein sicheres Gefühl verleiht. Das ist jedenfalls definitiv besser als die gestrige Strecke durch den unwegsamen Wald.

Nach 18 km erblickte ich eine Tankstelle, die bestimmt auch Kaffee im Angebot hat - und genau so war es. (Die Spritpreise sind hier auch über 2,20€.) Im Sonnenschein genieße ich den Kaffee und verzehre ein Stück Brot, belegte Brötchen hatte die Bäckerei leider nicht im Angebot.
Schließlich geht die Reise weiter durch weites Agrarland und auf machen Strecken ist sogar ein Radweg.
In Frankreich gibt es erfreulicherweise auch Windräder und nicht nur problemtischen Atomstrom.

Am späten Vormittag erreiche ich nach rd. 50 km Joinville, eine Kleinstadt. Der hiesege Pfarrer betreibt in meinem Zielort Ambonville eine Pilgerherberge, in der ich für heute angemeldet bin.
In einer Patisserie gegenüber der Kirche bestelle ich eine Mini-Pizza als vorgezoges Mittagessen und zur Sicherheit wird der Akku auch wieder geladen.
Auf dem Parkplatz gegenüber hat ein Biker sein Liegefahrrad abgestellt. Er ist auf dem Rhein - Marne - Kanal - Radweg damit unterwegs und übernachtet in dem selbstgebauten Anhänger.
Die letzten 20 km wollen in Angriff genommen werden, es geht zunächst steil bergauf und schon bald erreiche ich das kleine Dorf Blecourt, das zwischen den weiten Felder liegt.
Wegen dieses Plakats an der Kirche sehe ich sie mir von innen an und finde auch einen Stempel für meinen Pilgerausweis.

Weiter geht's, mein Blick schweift über das weite Land.
Schließlich erreiche ich Ambonville
und die Pilgerherberge.
Es ist unglaublich, hier ist alles Nötige für Pilger vorhanden. Nicht nur, dass die Küche komplett ausgestattet ist, sondern sie ist auch voller Lebensmittel.
Pastor Pascal weist mich in alles ein und bittet mich, von allem Gebrauch zu machen.
Er hat sogar einen Kuchen gebacken.

In der Küche ist natürlich auch eine Waschmaschine und Waschmittel, das erspart mir die Handwäsche.
Im Obergeschoss ist ein Gebetsraum eingerichtet, wo er mir am Abend den Pilgersegen erteilt. Leider waren mir dabei die meisten französischen Vokabeln nicht geläufig, aber wir haben gemeinsam das Vaterunser, jeder in seiner Sprache, gebetet.

Ich bin übrigens heute der einzige Pilger hier.
Radfahrer oder Wanderer sind mir heute, mit Ausnahme des Liegeradfahrers, nicht begegnet, allerdings einige große Traktoren und Maishäcksler.

Da ich am frühen Nachmittag bereits hier war, habe ich längere Zeit damit verbracht, die nächste Tage mit Strecken und Unterkünften zu planen und zu buchen.
Ohne Internet bin ich verloren!

Morgen und Samstag fahre ich jeweils etwas kürzere Etappen und am Sonntag ist Ruhetag.



Mittwoch, 19. August 2026

Von Pont-a-Mousson nach Chalaines

Tag 5
Mittwoch, 19.08.2016
Pont-a-Mousson - Chalaines
🚴 74 km
⬆️ 670 Hm
⬇️ 590 Hm

Vergangene Nacht hat es ein wenig geregnet und die Luft ist heute Morgen feucht und etwas drückend bei 20 Grad.
Beim Verlassen der Stadt ein letztes Foto
leider mit dunklen Wolken, die sich nach einigen Kilometern auch öffnen aber dann auch schnell wieder schließen.
Die Route verläuft wieder an der Mosel entlang auf guten Wegen, streckenweise auch über Landstraßen.

Als ich an dieser Stelle 
einen kurzen Stop einlege und ein paar Gedanken notiere, hält zunächst ein radelndes Paar an und kurz danach ein weiterer Radfahrer jeweils mit der Frage "Avez-vous un problème ?" - gücklicherweise nicht, ich wische nur etwas Text auf dem Handy für diesen Blog. 
Hier in Frankreich ist auffällig, dass man sich grüßt, immer ein Bonjour, auch im Vorbeifahren, bei uns gibt es höchstens ein leichtes Kopfnicken.

Und weiter geht's an der Mosel entlang.
Blick auf Liverdun, wo ich eine Ehrenrunde um den Ort gedreht habe, da ich die Karte im Navi nicht richtig interpretiert hatte.
Gegen Mittag erreiche ich die historische Kleinstadt Toul mit ihrer Kathedrale Saint-Étienne: Eine beeindruckende gotische Kathedrale mit einer imposanten Fassade. Sie beherbergt einen der größten gotischen Kreuzgänge Frankreichs.
Brunnen im Stadtzentrum 
In Toul mache ich dann Mittagspause und füttere auch das Fahrrad-Akku.
Auf dem Weg hierhin hatte ich, wie auch gestern, unangenehmen Gegenwind und musste den Motor mit etwas mehr Strom versorgen.

Das Thermometer ist inzwischen auf 25 Grad geklettert und die Sonne brennt ordentlich. Es ist höchste Zeit, mich mit Sonnencreme einzureiben.

Auf dem Weg aus der Stadt geht es nun nicht mehr entlang der Mosel, sondern ich folge dem fast ausgetrockneten Canal de la Marne au Rhin Ouest (Rhein-Marne-Kanal, westlicher Abschnitt).
Um von Toul aus nicht die stark befahrene Landstraße über Blenod de Toul nehmen zu müssen, folge ich der von Komoot vorgeschlagen Route durch Felder und Wälder.
Das war eine Fehlentscheidung!
Was mit gewöhnlichen Feld- und Waldwegen beginnt, endet in einer sehr anstrengenden Fahrradschieberei bergauf durch sehr unwegsames Gelände mit teilweise zugewachsen Wegen und das bei der Hitze.
Ich bin ordentlich am Schnaufen und muss alle paar Minuten eine kurze Atempause einlegen.
Als die Schieberei endlich vorbei ist und ich wieder in die Pedalen treten kann, bremste mich ein umgestürzter Baum aus.
Um darunter her zu kommen, muss ich die Gepäcktaschen vom Rad nehmen und das Rad quer drunter her schieben.
Komisch, ich hatte keinen Frust dabei !?

Nachdem ich aus dem Wald heraus komme, öffnet sich die Landschaft. Weite Ackerflächen sind zu sehen und mein heutiges Ziel ist nur noch wenige Kilometer entfernt, die ich auf der Landstraße zurücklegen kann.
Nach dem Beziehen meines für heute reservierten Zimmers und einer ausgiebigen Dusche mache ich mich auf den Fußweg ins 1 km entfernte Vaucouleurs wo ein Thermometer 32 Grad anzeigte.

Dabei passiere ich eine kleine Brücke über die hier fließende Maas.

Vaucouleurs spielte eine wichtige Rolle im Leben von Johanna von Orléans (Jeanne d’Arc). Von hier aus startete sie im Februar 1429 ihre Reise zum Dauphin (dem späteren König Karl VII.) nach Chinon, um Frankreich im Hundertjährigen Krieg zu retten und die Belagerung von Orléans zu brechen.