Dienstag, 29. September 2026

Von Melide nach Lavacolla

Tag 46
Dienstag, 29.09.26
Melide - Lavacolla 
🚴 45 km
⬆️ 1.270 Hm
⬇️ 1.140 Hm

Für den heutigen Tag habe ich eine nur kurze Strecke geplant und bin mittags schon in Lavacolla, obwohl ich erst gegen 8.30 Uhr losgefahren bin. Inzwischen wird es frühestens ab 8 Uhr morgens so hell, dass man sicher auf der Landstraße fahren kann bzw. man auf dem Camino die Schlaglöcher sieht. Die Wanderer sind meistens früher unterwegs und haben Stirnlampe auf.

In der kleinen Kapelle in Boente gibt es einen Stempeln für das Credential.
Ein paar Hórreos habe ich heute auch fotografiert.
Vor mir taucht dann dieses Gespann auf. Fünf Franzosen sind mit einem Esel und einer kleinen Kutsche unterwegs. Darin sitzt eine Frau, die den Weg nicht mehr gehen kann. So hat auch sie die Möglichkeit, nach Santiago zu pilgern.


Die öffentliche Pilgerherberge der Xunta de Galicia in Ribadiso, wunderschön am Bach gelegen, in dem an warmen Tagen die Pilger planschen und baden.

Die Wolken am Himmel bringen immer wieder kleine Schauer und der Wind ist etwas stürmisch.

Kleine Schikane für die Radfahrer. Es sind etliche Gruppen spanischer Mountenbiker ohne nennenswertes Gepäck auf dem Camino. Damit macht es bestimmt Spaß, die Furt zu nehmen statt die kleine Brücke.

In der Nähe des Flughafens von Santiago.

Das sieht auf den ersten Blick nach Müll aus. Es sind allerdings Zettelchen mit Gebeten und Wünschen, Fotos oder Gebetskärtchen.

Hotel Garcas in Lavacolla, hier übernachte ich heute.

Am Nachmittag kümmere ich mich um mein Gepäck, das aufgeteilt werden muss. Ein Teil soll morgen in Santiago den Postweg nach Hause antreten, eine Fahrradtasche behalte ich bei mir für den Bedarf der nächsten Tage.

Mein Plan ist, morgen Früh nach 2.326 km die letzten 10 km bis Santiago zu fahren, Gepäck und Fahrrad auf die Heimreise zu schicken und am Freitag von Porto nach Köln zu fliegen. 

Ich freue mich unglaublich!


Montag, 28. September 2026

Von San Silvestre nach Melide

Tag 45
Montag, 28.09.26
San Silvestre - Melide 
🚴 62 km
⬆️ 1.110 Hm
⬇️ 1.240 Hm
Ein sehr stimmungsvoller Morgen an der Herberge.
Gestärkt mit einem für eine Herberge ungewöhnlich reichhaltigen Frühstück wartet der Sonnenaufgang im nebeligen Galicien auf uns.
Auf dem Euro-Velo 3 bin ich schon seit etlichen Tagen unterwegs. Es ist einer der vielen europäischen Fernradwege, die quer durch Europa verlaufen. Nr. 3 ist über 5.650 Kilometer lang und führt von Trondheim in Norwegen nach Santiago de Compostela in Spanien.
Galicien ist von diesen uralten Mauern aus aufeinander geschichteten Steinen durchzogen. Sie begrenzen Grundstücke und Wege.

Oberhalb von Portomarin muss man sich an diesen relativ neuen Steinen für eine Wegvariante entscheiden.

Auf der Brücke über dem Stausee hat man einen ersten Blick auf Portomarin.
Der Stausee ist fast ausgetrocknet.

Die mächtige Wehrkirche San Nicolas stand ursprünglich im Tal, wo jetzt der Stausee ist. Als dieser gebaut wurde, hat man die Kirche 1962 Stein für Stein abgetragen und hier oben neu aufgebaut.

Gestern hatte ich ja schon angemerkt, dass ab Sarria die Anzahl an Pilger zunehmen wird. Heute wird es deutlich sichtbar auf den Wegen und in den Bars.
Die Bläck Fööss singen im Spanien Leed:
"Öm zwölf Uhr jitt et Meddach, em Hotel es wärm jekoch, Ähzezupp met Hämmche jitt et eimol en d’r Woch."
Bei mir jitt et öm zwölf Uhr Tortilla de Patata.
Das Fahrrad-Akku hat auch Appetit bekommen und wird an dieser Ladestation nachgeladen, auf die mich die beiden netten Französinnen aufmerksam machen, da sie dort auch nachladen.
Von dieser Stelle bei O Hospital bis nach Ligonde, etwa 5 km, überhole ich ohne Übertreibung mehrere Hundert Pilger. Aktuell kommen täglich wohl ca. 3.000 Pilger in Santiago an.
In diesem alten rustikalen Bauernhaus befindet sich die Pilgerherberge von Ligonde. In ihr haben wir im Jahr 2007, als wir mit unseren Kindern auf dem Camino waren, übernachtet.
Im Laufe des Tages erblicke ich häufiger die für Galicien typischen markanten Hórreos. Dabei handelt es sich um in früheren Zeiten genutzte Speicher für landwirtschaftliche Produkte wie Mais, Weizen oder Kastanien. Aufgrund ihrer Bauform sind die darin gelagerten Lebensmittel von Nagetieren nicht zu erreichen.

Schließlich tauchen die ersten Eukalyptuswälder auf und verströmen ihren Duft.

Dieser Eukalyptusbaum dürfte einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Wie viele Pilger mögen schon an ihm vorbeigezogen sein und seinen frischen Duft eingeatmet haben?

In Melide angekommen übernachte ich im reservierten Hostal Codeseira.