Dienstag, 1.09.26
Larceveau - Espinal
🚴 50 km
⬆️ 1.230 Hm
⬇️ 520 Hm
Am frühen Vormittag erreiche ich sehr glücklich Saint Jean Pied de Port, der letzte Ort in Frankreich. Hier beginnt der Camino Frances, dem ich folgen werde.
Ich wähle die in Literatur und im örtlichen Pilgerbüro den Radfahrern empfohlene Route über Valcarlos statt der Strecke über Orrisson, den die Fußpilger nehmen.
Im Pilgerbüro, dass von fünf Freiwilligen betreut wird, bedient mich ein Kanadier. Er ist mehrere Wochen hier im Einsatz und auf Pilgerwegen unterwegs. Er ist zuerst von Perigueux nach hier gewandert, war zwei Wochen als Hospitalero in der Herberge und ist jetzt zwei Wochen im Pilgerbüro, bevor er weiterreist.
Er ist sehr an meinen Erfahrungen als Radpilger interessiert, um diese weitergeben zu können oder auch selbst zu nutzen.
Jetzt geht es erstmal berghoch bis zum Ibaneta Pass.
Die Grenze zwischen Frankreich und Spanien. Ohne das Schild würde man nicht merken, dass man eine Staatsgrenze überschreitet.
Dank des Schengener Abkommes erfolgen keine Personenkontrollen an den gemeinsamen Binnengrenzen der teilnehmenden Staaten.
Die Skulptur in Valcarlos erinnert an die historische Schlacht im Jahr 778 n. Chr. und den Sieg der Basken über das Heer Karl des Großen. Auf dem Sockel finden sich mehrsprachige Inschriften (auf Baskisch, Spanisch, Französisch und Englisch), die den Kampf und den Sieg des baskischen Volkes für seine Freiheit würdigen.
Bergwiesen im Sonnenschein, haben viel Ähnlichkeit mit dem Allgäu.
Endlich, nach sehr viel anstrengender Strampelei erreiche ich den Ibaneta Pass.
Gleich neben der Kapelle steht diese Gedenkstele. Sie zeigt im oberen Teil ein Relief der Mutter Gottes mit Kind (Santa María de Roncevalles) sowie darunter das Wappen von Navarra und erinnert an die historische Bedeutung des Passes und die dortige Schlacht im Jahr 778 n. Chr.
Der kleinere Stein links im Hintergrund erinnert an den Tod Rolands, der hier gefallen ist.
Von dort ist es nicht mehr weit bergab nach Roncesvalles, dem ersten Ort in Spanien mit einer großen modernen Pilgerherberge mit mehr als 180 Betten.
Mein Quartier ist nur noch 7 km entfernt in Espinal.
Richard betreibt dieses Hostal. Er empfiehlt, heute Abend in der Bar Ederrena zu essen. Gemäß Google hat die zwar heute geschlossen, aber Richard telefoniert kurz und erfährt, dass ich was zu essen bekomme.
Auf dem Weg dorthin sehe ich weiter vor mir eine dunkelhäutige Person und eine ältere Dame gehen. Als ich sie erreiche, ist es Richard mit einer Kanadierin aus Montreal, die er zur Bar begleitet. Richard ist ein rundrum sympathischer Mensch, und zu jeder Hilfe bereit.
Das Angebot ist, wie so häufig in Spanien, recht begrenzt. Es gibt lomo mit patatas fritas und huevos. Ensalada ? - no, los siento.
Macht nix, nehme ich.
In der Bar fällt mir auf, dass ich noch erhebliche Probleme habe, auf Spanisch umzustellen, immer wieder französisch Worte. Ich kann ohnehin beide Sprachen nicht fließend, aber für's durchkommen reicht es ganz gut.
An der Theke sitzt jemand, der sofort das Gespräch mit mir sucht.
De donde eres? Soy de Alemania.
OK, dann können wir deutsch sprechen.
Er ist Oliver Kloidt, lebt seit 16 Jahren mit seinem Didgeridoo auf dem Camino und anderen Pilgerwegen. Wir unterhalten uns angeregt über unsere Pilgererfahrungen und das Leben. Ein sehr interessanter Typ, spricht sieben Sprachen fließend, lebt von dem, was er geschenkt bekommt oder sich mit Gelegenheitsjobs verdient. Als Hospitalero ist er auch immer wieder in Herbergen tätig.
Wer mehr über ihn erfahren will, kann hier Google fragen.