Donnerstag, 17. September 2026

Von Obanos nach Sansol

Tag 34
Donnerstag, 17.09.26
Obanos - Sansol
🚴 51 km
⬆️    810 Hm
⬇️   700 Hm

Diese offene, weitläufige strohgelbe Landschaft mit grünen Oasen aus Reben begeistert mich,  dazu der Sommerduft der Pinien und der Geruch nach Anis vom wilden Fenchel!

Für die Marktbeschicker beginnt der Morgen mit dem Grillen der Paprika, man riecht es schon von weitem und ich biege mal kurz hinter die noch geschlossenen Marktstände ab.



Nach diesem Fototermin gibt es erstmal Frühstück in einer Bäckerei in Puenta la Reina mit frisch gepresstem O-Saft.

Die Sonne ist auch schon wach, aber es sind nur 14 Grad.

Dann öffnet sich die Landschaft. Das ist für mich Genuss pur!
Blick auf Maneru.

Blick auf Cirauqui.

Etwas abseits des Weges sehe ich eine Kapelle im Feld und steuer sie an. Es ist die Ermita de San Miguel Arcángel in der Nähe des Ortes Villatuerta. Gemini weiß dazu:
"Ursprünglich war der Ort ein benediktinisches Kloster, das im Jahr 1062 von König Sancho dem aus Peñalén dem Kloster von Leire gespendet wurde. Im 16. Jahrhundert verlor es seine religiöse Gemeinschaft und wurde zur Ermita."
Also schon etwa 1.000 Jahre alt.

Die die Kapelle umgebenden Olivenbäume und scheinen auch schon sehr alt zu sein und sie tragen reichlich Früchte.

Der Weg führt mich hoch zum 
Kloster Santa Maria Real de Irache.
Mit dem berühmten Weinbrunnen für Pilger.
Aber auch den Wasserhahn nutze ich, um meine Trinkflasche nach dem leckeren Schluck Wein aufzufüllen.

Hier wächst der Rebensaft.
Blick auf Azqueta.
Aussicht auf die Weinberge von Villamayor de Monjardin.
In Los Arcos besuche ich die Kirche Santa Maria.
Das prachtvolle, monumentale, reich dekorierte Gebäude wurde vom 12. bis 18. Jahrhundert erstellt und umgebaut.
Vor dem Portal befindet sich ein offener Vorbau.

In der Mitte des kunstvollen Portals ist die Muttergottes dargestellt. Sie wird durch die astronomische Ausrichtung des Portals zweimal im Jahr vom Sonnenlicht hell angestrahlt, wobei der Rest im Schatten liegt.
Sehr üppig dekoriert.
Statue des Apostels Jakobus als Pilger dargestellt.

Mein Ziel Sansol ist in der Ferne schon zu sehen, nur noch wenige Kilometer durch die hügelige Landschaft genießen.

Meine Unterkunft ist die Albergue La Vespa Hostel & Bar, die einsam am Ortsrand liegt. Es scheint ein relativ neues Gebäude zu sein.

Mit Waschmaschine, 
die ich natürlich nutze, um nochmal alles gründlich zu waschen statt des täglichen Auswaschens.
Zwei freundliche französische Pilgerinnen waschen ihre Klamotten gleich mit und bedienen dankenswerterweise die Waschmaschine 😉


Mittwoch, 16. September 2026

von Espinal nach Obanos

Tag 33
Mittwoch, 16.09.26
Espinal - Obanos 
🚴 74 km
⬆️    890 Hm
⬇️ 1.370 Hm

Heute Morgen quillen die Pilger nur so aus den Straßen und Gassen von Espinal. Es sind unglaublich viele Menschen auf dem Camino unterwegs. Alle haben ein Regencape oder ihre Regenjacke über, es nieselt etwas. Dadurch hat sich meine Morgenroutine auch etwas verändert. Statt wie sonst Sonnencreme auf die unbedeckte Haut kommt heute eine lange Fahrradhose und die Regenjacke drauf. 
Es geht zunächst hoch auf einen kleinen Pass.
Nach 40 km erreiche ich Pamplona.

Stadteinwärts komme ich an der Casa Paderborn vorbei. Diese sehr geschätzte Pilgerherberge liegt direkt am Jakobsweg in Pamplona. Sie wird ehrenamtlich von den Jakobusfreunden Paderborn betrieben.
Sie ist leider aktuell wegen akuter Erkrankung der deutschen Hospitaleros geschlossen, schade!

Der Weg führt an der Stierkampfarena vorbei
quer durch die Stadt, die ich mir nicht genauer ansehe, da ich schon mehrmals hier war.
Über sehr gut ausgebaute Fahrradwege bin ich schnell aus der Stadt und erfreue mich an der Landschaft.
Nun wollen wieder ein paar Höhenmeter überwunden werden, bis ich den Alto del Perdon erreiche. Hier steht ein großformatiges Pilgerdenkmal. Das Monument besteht aus einer Kette von lebensgroßen Eisensilhouetten, die eine Pilgerkarawane aus verschiedenen Epochen der Geschichte darstellen.
Es trägt die poetische spanische Inschrift: „Donde se cruza el camino del viento con el de las estrella. -  „Wo sich der Weg des Windes mit dem der Sterne kreuzt“.
Über den Bergrücken reihen sich in beide Richtungen Windräder auf.

Gleich nebenan auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht dieses Mahnmal, dass an die Menschen aus der Region, die in den Jahren 1936 und 1937 während des Spanischen Bürgerkriegs getötet wurden, erinnert.
Und dann diese fantastische Weitsicht. Auf der einen Seite Richtung Pamplona.
Auf der anderen Seite in die weite Ebene, in die der Camino führt.
Unten in der Ebene scheint fruchtbarer Boden zu sein. Es werden Spargel, Bohnen und Paprika angebaut.

Bevor ich zu meiner Unterkunft nach Obanos fahre, mache ich einen kleinen Umweg, um die Kapelle Sta. Maria Eunate nochmal zu besuchen.
Sie liegt einsam in den Feldern, und um sie ranken sich einige Mythen. Sie soll auch einer der Kraftorte dieser Erde sein. Hier ist jedenfalls eine sehr ruhige, stille Atmosphäre im säuseln des Winds. Gut, dass ich nochmal hier war.

Caminostein am Spargelfeld.

Vor mir liegt mein heutiges Ziel, Obanos.