Dienstag, 1. September 2026

Limoges / Feytiat

Tag 18
Dienstag, 01.09.2016
Limoges, Ortsteil Feytiat 

Nach einem aufregenden gestrigen Tag mit vielen Fragezeichen und ein wenig Sorge, ob und wie es weitergehen könnte, stehe ich heute Morgen zeitig an dem gestern ermittelten Fahrradladen.

Der freundliche Juniorchef Antoine ist als erster vor Ort und hört sich mein Problem an. Nachdem er den Laden aufgemacht hat, kommt mein Rad in die Werkstatt. Er sucht in verschiedenen Schubladen nach einem passenden Schaltauge, aber leider nichts dabei.

Gestern hatte ich für diesen erwarteten Fall schon im Internet recherchiert und bei schaltauge24.de ein (hoffentlich) passendes und lieferbares Teil gefunden.
Nach Kontaktaufnahme mit dem Onlinehändler aus Berlin bestelle ich zwei Stück, die in 3-5 Tagen geliefert werden sollen. Gemäß der Webseite sind sie heute in den Versand per DHL gegangen.

Also brauche ich für einige Tage eine Unterkunft in der Nähe und buche ein Appartement bis Samstag, in das ich um 11 Uhr auch schon einziehen kann.

Nach einigen Besorgungen, der Aldi ist nicht weit entfernt, habe ich mich häuslich eingerichtet und warte ab, bis Antoine sich bei mir meldet.






Montag, 31. August 2026

Limoges

Tag 17
Montag, 31.08.2016
Limoges

Beim Beladen meines Fahrrads kommt eine ordentliche Schauer herunter. Das Regenradar der WetterApp zeigt eine vorbeiziehende Wolke. Daher entscheide ich mich, die Schauer abzuwarten und beobachte die interessanten Regenrinnen der gegenüberliegenden Kathedrale.
Dann kommt ein junger Holländer aus der Herberge und sieht sich die Vordergabel seines Rennrads an. Der linke Gepäckhalter ist irgendwie kaputt und die Fahrradwerkstatt hat heute (Montag) geschlossen. Hier gibt es zwar einen Decathlon Shop, der führt aber keine Ortlieb Halterungen. Dann fällt mir Axels Ratschlag ein: "nimm eine Packung stärkere Kabelbinder mit".
Ich gebe ihm einige ab und er wird versuchen, damit den Halter zu fixieren.

Vorher beim Frühstück in der Herbergsküche komme ich mit zwei anderen Holländern ins Gespräch. Sie wandern den Camino von Holland aus in jährlich zweiwöchigen Etappen und sind gestern mit der Bahn hier angekommen, um ihren Weg, den sie im letzten Jahr hier beendet haben, fortzusetzen.

So, die Schauer ist vorbei, ich kann losfahren.
Beim ersten Tritt in die Pedale kracht es in der Schaltung. Die Umwerferrollen hängen in den Speichen und nichts geht mehr, das Ding ist angebrochen.
Ich murxe es aus den Speichen raus, damit das Hinterrad sich wenigstens drehen kann.

Tja, wie soll's nun weitergehen?
Ich spreche nochmal mit dem Holländer und wir googeln gemeinsam nach Reparaturmöglichkeiten. Google zeigt im Bereich der Innenstadt einen E-Bike Shop an, der heute geöffnet sein soll. Also schiebe ich mal dahin. Vor Ort stelle ich fest, dass es diesen Laden nicht mehr gibt, geschlossen, wie so vieles in Frankreich.

Die einzige sinnvolle Möglichkeit in dieser doch schon recht großen Universitätsstadt mit rd. 130.000 Einwohner und ca. 14.000 Studenten ist ein Fahrradladen am Stadtrand in 5 km Entfernung, der gemäß Google montags geschlossen hat. Und, es stellt sich die Frage, ob es diesen Laden überhaupt noch gibt, oder wurde er auch inzwischen geschlossen. Das kann ich nur verlässlich feststellen, indem ich mein Rad dorthin schiebe.
Das macht aber nur Sinn, wenn es in der Nähe ein Hotel mit freiem Zimmer gibt, was der Fall ist.
Also mache ich mich auf den Schiebe-Weg und erreiche den noch existierenden Laden.
Jetzt bleibt zu hoffen, dass man mir morgen hier helfen kann.

Eine wichtige Erklärung fehlt mir allerdings noch: wie konnte das Teil über Nacht abbrechen??



Sonntag, 30. August 2026

Von La Souterraine nach Limoges

Tag 16
Sonntag, 30.08.2016
La Souterrain - Limoges 
🚴 64 km
⬆️ 900 Hm
⬇️ 700 Hm

Der Wind hat sich gelegt, Gott sei Dank!

Als ich den Frühstücksraum betrete, blicke ich nach rechts zur Bar, dort sitzen um 7.30  Uhr (schon) zwei Männer, die sich ein Bierchen und Schnäpschen gönnen und nach 20 Minuten heißer Gespräche wieder von Dannen ziehen.

Beim Blick nach links, wo die Chefin mir einen Tisch zuweist, sehe ich zwei frische Exemplare des bei französischen Pilgern sehr beliebten MIAM MIAM DODO. Der Verlag gibt für etliche Jakobswege eine Führer raus, der auf Infos zur Infrastruktur am Weg spezialisiert ist, daneben wird der Weg auf Karten dargestellt. Ich hatte vor einigen Monaten mehrmals überlegt, mir diesen Führer auch zuzulegen, mich dann aber aus Platzgründen dagegen entschieden und mich für den bewährten Outdoorführer aus den Conrad Stein entschieden, der hinsichtlich des Weges sehr detailliert ist und auch gute Infos zur Infrastruktur liefert, aber leider nicht so aktuell wie der obige Führer.
Glücklicherweise hatte ich gestern die Etappen für die nächsten Tage geplant und konnte mir die passenden Seiten abfotografieren.

Dann hat der Chemin Saint Jaques mich zurück und die Fahrt geht wieder durch die Wiesen und Felder.

In Fromental erblicke ich diese große Wasserburg und mache ein paar Schnappschüsse.
Google liefert dazu folgende Info:

Später erreiche ich den See 

In Frankreich sieht in fast jedem Dorf ein Ehren- bzw. Mahnmal, dass an die Toten der beiden Weltkriege erinnert.
Bei diesem hier werden ausdrücklich  die Gräueltaten der Nazis erwähnt.
Dazu finde ich bei Google:
"Diese Gedenkaufschrift erinnert an die Kämpfer der F.T.P.F. (Francs-tireurs et partisans français) und der F.F.I. (Forces françaises de l'intérieur), den Verbänden der französischen Résistance, die Anfang Juni 1944 im Zuge der deutschen Vergeltungsmaßnahmen nach der Landung der Alliierten in der Normandie von Einheiten der SS und der deutschen Besatzungstruppen hingerichtet wurden."

Am frühen Nachmittag erreiche ich die Pilgerherberge der Schwestern des Franz von Assisi in Limoges, die leider erst um 16 Uhr öffnet.
Daher bleibt Zeit für das Mittagessen und eine kurze Besichtigung der gegenüber liegenden mächtigen Kathedrale Saint Etienne.

Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass den dargestellten Figuren die Köpfe fehlen.
Auch dafür hat Google eine Erklärung:
"Diese Zerstörungen sind typisch für antiklerikale Akte während der Französischen Revolution, bei denen sakrale Skulpturen und Herrschaftssymbole gezielt verstümmelt wurden."