Mittwoch, 16. September 2026

von Espinal nach Obanos

Tag 33
Mittwoch, 16.09.26
Espinal - Obanos 
🚴 74 km
⬆️    890 Hm
⬇️ 1.370 Hm

Heute Morgen quillen die Pilger nur so aus den Straßen und Gassen von Espinal. Es sind unglaublich viele Menschen auf dem Camino unterwegs. Alle haben ein Regencape oder ihre Regenjacke über, es nieselt etwas. Dadurch hat sich meine Morgenroutine auch etwas verändert. Statt wie sonst Sonnencreme auf die unbedeckte Haut kommt heute eine lange Fahrradhose und die Regenjacke drauf. 
Es geht zunächst hoch auf einen kleinen Pass.
Nach 40 km erreiche ich Pamplona.

Stadteinwärts komme ich an der Casa Paderborn vorbei. Diese sehr geschätzte Pilgerherberge liegt direkt am Jakobsweg in Pamplona. Sie wird ehrenamtlich von den Jakobusfreunden Paderborn betrieben.
Sie ist leider aktuell wegen akuter Erkrankung der deutschen Hospitaleros geschlossen, schade!

Der Weg führt an der Stierkampfarena vorbei
quer durch die Stadt, die ich mir nicht genauer ansehe, da ich schon mehrmals hier war.
Über sehr gut ausgebaute Fahrradwege bin ich schnell aus der Stadt und erfreue mich an der Landschaft.
Nun wollen wieder ein paar Höhenmeter überwunden werden, bis ich den Alto del Perdon erreiche. Hier steht ein großformatiges Pilgerdenkmal. Das Monument besteht aus einer Kette von lebensgroßen Eisensilhouetten, die eine Pilgerkarawane aus verschiedenen Epochen der Geschichte darstellen.
Es trägt die poetische spanische Inschrift: „Donde se cruza el camino del viento con el de las estrella. -  „Wo sich der Weg des Windes mit dem der Sterne kreuzt“.
Über den Bergrücken reihen sich in beide Richtungen Windräder auf.

Gleich nebenan auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht dieses Mahnmal, dass an die Menschen aus der Region, die in den Jahren 1936 und 1937 während des Spanischen Bürgerkriegs getötet wurden, erinnert.
Und dann diese fantastische Weitsicht. Auf der einen Seite Richtung Pamplona.
Auf der anderen Seite in die weite Ebene, in die der Camino führt.
Unten in der Ebene scheint fruchtbarer Boden zu sein. Es werden Spargel, Bohnen und Paprika angebaut.

Bevor ich zu meiner Unterkunft nach Obanos fahre, mache ich einen kleinen Umweg, um die Kapelle Sta. Maria Eunate nochmal zu besuchen.
Sie liegt einsam in den Feldern, und um sie ranken sich einige Mythen. Sie soll auch einer der Kraftorte dieser Erde sein. Hier ist jedenfalls eine sehr ruhige, stille Atmosphäre im säuseln des Winds. Gut, dass ich nochmal hier war.

Caminostein am Spargelfeld.

Vor mir liegt mein heutiges Ziel, Obanos.

Dienstag, 15. September 2026

Von Larceveau nach Espinal

Tag 32
Dienstag, 15.09.26
Larceveau - Espinal 
🚴 50 km
⬆️ 1.230 Hm
⬇️ 520 Hm

Am frühen Vormittag erreiche ich sehr glücklich Saint Jean Pied de Port, der letzte Ort in Frankreich. Hier beginnt der Camino Frances, dem ich folgen werde.

Ich wähle die in Literatur und im örtlichen Pilgerbüro den Radfahrern empfohlene Route über Valcarlos statt der Strecke über Orrisson, den die Fußpilger nehmen.

Im Pilgerbüro, dass von fünf Freiwilligen betreut wird, bedient mich ein Kanadier. Er ist mehrere Wochen hier im Einsatz und auf Pilgerwegen unterwegs. Er ist zuerst von Perigueux nach hier gewandert, war zwei Wochen als Hospitalero in der Herberge und ist jetzt zwei Wochen im Pilgerbüro, bevor er weiterreist.
Er ist sehr an meinen Erfahrungen als Radpilger interessiert, um diese weitergeben zu können oder auch selbst zu nutzen.

Jetzt geht es erstmal berghoch bis zum Ibaneta Pass.

Die Grenze zwischen Frankreich und Spanien. Ohne das Schild würde man nicht merken, dass man eine Staatsgrenze überschreitet. 
Dank des Schengener Abkommes erfolgen keine Personenkontrollen an den gemeinsamen Binnengrenzen der teilnehmenden Staaten.
Die Skulptur in Valcarlos erinnert an die historische Schlacht im Jahr 778 n. Chr. und den Sieg der Basken über das Heer Karl des Großen. Auf dem Sockel finden sich mehrsprachige Inschriften (auf Baskisch, Spanisch, Französisch und Englisch), die den Kampf und den Sieg des baskischen Volkes für seine Freiheit würdigen.
Bergwiesen im Sonnenschein, haben viel Ähnlichkeit mit dem Allgäu.
Endlich, nach sehr viel anstrengender Strampelei erreiche ich den Ibaneta Pass.

Gleich neben der Kapelle steht diese Gedenkstele. Sie zeigt im oberen Teil ein Relief der Mutter Gottes mit Kind (Santa María de Roncevalles) sowie darunter das Wappen von Navarra und erinnert an die historische Bedeutung des Passes und die dortige Schlacht im Jahr 778 n. Chr.
Der kleinere Stein links im Hintergrund erinnert an den Tod Rolands, der hier gefallen ist.

Von dort ist es nicht mehr weit bergab nach Roncesvalles, dem ersten Ort in Spanien mit einer großen modernen Pilgerherberge mit mehr als 180 Betten.
Mein Quartier ist nur noch 7 km entfernt in Espinal.
Richard betreibt dieses Hostal. Er empfiehlt, heute Abend in der Bar Ederrena zu essen. Gemäß Google hat die zwar heute geschlossen, aber Richard telefoniert kurz und erfährt, dass ich was zu essen bekomme.

Auf dem Weg dorthin sehe ich weiter vor mir eine dunkelhäutige Person und eine ältere Dame gehen. Als ich sie erreiche, ist es Richard mit einer Kanadierin aus Montreal, die er zur Bar begleitet. Richard ist ein rundrum sympathischer Mensch, und zu jeder Hilfe bereit.

Das Angebot ist, wie so häufig in Spanien, recht begrenzt. Es gibt lomo mit patatas fritas und huevos. Ensalada ? - no, los siento.
Macht nix, nehme ich.
In der Bar fällt mir auf, dass ich noch erhebliche Probleme habe, auf Spanisch umzustellen, immer wieder französisch Worte. Ich kann ohnehin beide Sprachen nicht fließend, aber für's durchkommen reicht es ganz gut. 

An der Theke sitzt jemand, der sofort das Gespräch mit mir sucht.
De donde eres? Soy de Alemania.
OK, dann können wir deutsch sprechen.
Er ist Oliver Kloidt, lebt seit 16 Jahren mit seinem Didgeridoo auf dem Camino und anderen Pilgerwegen. Wir unterhalten uns angeregt über unsere Pilgererfahrungen und das Leben. Ein sehr interessanter Typ, spricht sieben Sprachen fließend, lebt von dem, was er geschenkt bekommt oder sich mit Gelegenheitsjobs verdient. Als Hospitalero ist er auch immer wieder in Herbergen tätig.
Wer mehr über ihn erfahren will, kann hier Google fragen.