Montag, 28. September 2026

Von San Silvestre nach Melide

Tag 45
Montag, 28.09.26
San Silvestre - Melide 
🚴 62 km
⬆️ 1.110 Hm
⬇️ 1.240 Hm
Ein sehr stimmungsvoller Morgen an der Herberge.
Gestärkt mit einem für eine Herberge ungewöhnlich reichhaltigen Frühstück wartet der Sonnenaufgang im nebeligen Galicien auf uns.
Auf dem Euro-Velo 3 bin ich schon seit etlichen Tagen unterwegs. Es ist einer der vielen europäischen Fernradwege, die quer durch Europa verlaufen. Nr. 3 ist über 5.650 Kilometer lang und führt von Trondheim in Norwegen nach Santiago de Compostela in Spanien.
Galicien ist von diesen uralten Mauern aus aufeinander geschichteten Steinen durchzogen. Sie begrenzen Grundstücke und Wege.

Oberhalb von Portomarin muss man sich an diesen relativ neuen Steinen für eine Wegvariante entscheiden.

Auf der Brücke über dem Stausee hat man einen ersten Blick auf Portomarin.
Der Stausee ist fast ausgetrocknet.

Die mächtige Wehrkirche San Nicolas stand ursprünglich im Tal, wo jetzt der Stausee ist. Als dieser gebaut wurde, hat man die Kirche 1962 Stein für Stein abgetragen und hier oben neu aufgebaut.

Gestern hatte ich ja schon angemerkt, dass ab Sarria die Anzahl an Pilger zunehmen wird. Heute wird es deutlich sichtbar auf den Wegen und in den Bars.
Die Bläck Fööss singen im Spanien Leed:
"Öm zwölf Uhr jitt et Meddach, em Hotel es wärm jekoch, Ähzezupp met Hämmche jitt et eimol en d’r Woch."
Bei mir jitt et öm zwölf Uhr Tortilla de Patata.
Das Fahrrad-Akku hat auch Appetit bekommen und wird an dieser Ladestation nachgeladen, auf die mich die beiden netten Französinnen aufmerksam machen, da sie dort auch nachladen.
Von dieser Stelle bei O Hospital bis nach Ligonde, etwa 5 km, überhole ich ohne Übertreibung mehrere Hundert Pilger. Aktuell kommen täglich wohl ca. 3.000 Pilger in Santiago an.
In diesem alten rustikalen Bauernhaus befindet sich die Pilgerherberge von Ligonde. In ihr haben wir im Jahr 2007, als wir mit unseren Kindern auf dem Camino waren, übernachtet.
Im Laufe des Tages erblicke ich häufiger die für Galicien typischen markanten Hórreos. Dabei handelt es sich um in früheren Zeiten genutzte Speicher für landwirtschaftliche Produkte wie Mais, Weizen oder Kastanien. Aufgrund ihrer Bauform sind die darin gelagerten Lebensmittel von Nagetieren nicht zu erreichen.

Schließlich tauchen die ersten Eukalyptuswälder auf und verströmen ihren Duft.

Dieser Eukalyptusbaum dürfte einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Wie viele Pilger mögen schon an ihm vorbeigezogen sein und seinen frischen Duft eingeatmet haben?

In Melide angekommen übernachte ich im reservierten Hostal Codeseira.